Null komma nix

Paula August 8th, 2008

Es ist Zeit für die Verteidigung des nur durch die apathische Glotzgegenwart der Massen legitimierten Angeklagten namens Privatfernsehen. Vor 20 Jahren noch der Li-La-Laune-Held des samstagmorgendlichen Kinderfernsehens, gepriesen von noch verschlafenen Eltern am Frühstückstisch, die dank pausenloser bunter Dauerbeschallung des Nachwuchses ihre eigene Koffeinverkostung ungestört vorantreiben konnten, und geliebt von Fans der holländischen Taubenromantik Marke Traumhochzeit oder den Anhängern amerikanischer Highway- und Weltraumdramatik, in der Goldketten-T aus dem A-Team und Spitzohren-Spock aus dem Raumschiff, Trapper John aus dem Krankenhaus und Brendonlina aus Beverly Hills für unfreiwillig komische Ordnung sorgen konnten. 

 

Doch Mitte der 90er änderte sich die öffentliche Meinung – das BILD-Prinzip (”Stell dir vor, eine Zeitung hat eine Auflage von 8 Millionen, aber keiner will sie selbst jemals gelesen haben”) fand seine Adaption im Privatprogramm. Nicht zuletzt das exponentielle Wachstum an den verschiedensten medienwissenschaftlichen Studiengängen, meist nur geeint durch ihren vergleichbar unkoordinierten Aufbau und desinteressierten Lehrapparat, führte zu aufdringlich oberschichtigen Diskussionen um das niedere Qualitätsniveau “der Privaten”, dem man sich nicht aussetzen dürfe; “Tagesschau”, “Monitor” und bestenfalls “Aktenzeichen XY…” waren die (zumindest nach außen getragenen) Sendungen, die man selbst angeblich im Fernsehen anschaute – ausschließlich selbstredend. Insbesondere bemängelte man die Oberflächlichkeit, das geistige Flachtauchen des durchweg boulevardistisch eingefärbten Plebejerprogramms, und wenn man denn durch unbedachte Äußerungen doch seine Kenntnisnahme gewisser Sendeformatdetails wusste, dann doch bitteschon nur deshalb, weil der Kulturteil der FAZ darüber berichtet hatte. Nun gut, und durch eigene Anschaunung…aber doch nur zum kurzzeitigen Gruseln ob der massenmediale Verblödungsmaschinerie, die tatsächlich zum Beifall angeregt hätte. Also die anderen.

Doch wo, fragt der fassungslose Intellektuelle seither, wo erfüllt das Privatfernsehen seine wahre Bildungspflicht? Wo werden die wichtigen Antworten der Gesellschaft gegeben? Man erwarte ja wirklich nicht zuviel, die Frage nach Sein und Bewusstsein hätten schließlich schon Faust und Marx geklärt, aber wo, bitte, seien die Antworten auf die politischen und kulturellen Umtriebe unserer Zeit? Wie habe sich eine Doppelnull wie Bush in den USA, eine korrupte Null wie Berlusconi in Italien oder eine gelbe Null…verzeihung, 18…wie Westerwelle in Deutschland politisch halten können? Wie ein Schnappi oder Schnuffel musikalisch (insofern man das Wort benutzen könne)? Und wieso durfte Lothar Matthäus einen Trainerschein machen?

Oder die Frage, die all dies im Innersten zusammenhält: Warum setzt sich das Mittelmaß vor die Spitze und die Pfeife vor die Trompete? Welche Existenzberechtigung hat ein Medium, das sich diesen existentialistischen Fragen nie stellt? Und – um die ketzerischen Einwürfe der Gegenpartei zu berücksichtigen – kann Etwas, das selbst eine Pfeife ist, die Pfeifenfrage überhaupt versuchen zu beantworten, obwohl es sich dadurch selbst die Luft abdrehen würde?

Allen diesen Gegnern seien ihre hinterlistigen Anschuldigungen an dieser Stelle um die Ohren gehauen. Denn in einem der allein durch Sonya Kraus’ regelmäßig zur Schau gestellten Oberweite privatesten aller Privatsender, Pro7, wurde im Nachmittagsprogramm eine Antwort auf alle obigen Probleme gefunden. Bei einer Umfrage nach der Lieblingszahl der Deutschen antwortete eine ältere Dame: “Die Null.” Mit der tiefsinnigen Begründung: “Weil sie sich mit allem kombinieren lässt.” Und das lässt sich anhand des Trainerhoppings von Lodda (unvergessen bleibt neben seinen offiziellen Stationen seit 2001/2002 ja das Traineramt für Borussia Banana) eindrucksvoll beweisen.

Danke Pro 7!

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