Affenstarker Konsum

Paula April 18th, 2009

Jeder halbwegs normale Süchtige in der Prä-Beratungsstellenphase wird es den Herren Wirtschaftsministern bestätigen:  Krise kann nur durch Konsum bewältigt werden. Da nützt es nichts, mit dem entpersonifizierten Zeigefinger ins Dunkel zu zeigen in der Hoffnung, dass ein finanzstarkes und scheckkartenaffines „man“ auftaucht, das mal unbedingt mehr kaufen müsste. Vielmehr sind wir alle gefragt, am erneuten deutschen Ruck mitzuschieben, jedenfalls insofern wir uns angesichts streikbereiter Arbeitermassen und prekariatsporträtierter „Raus aus den Schulden“-Familien noch Menschen schimpfen wollen. Und da man sich irgendwann im 20. Jahrhundert dazu entschlossen hat, bereits  Kleinkinder als Menschen zu betiteln, müssen die jetzt eben auch dran glauben. Mit dem gerade erst verwundenen Teletubbi-Trauma im Rücken, das den Schnullershoppern schon mit wenigen gebärmutterfreien Jahren den Status „Neue Zielgruppe“ verpasste, werden die heranwachsenden Kinderkartenkiddies jetzt mit dem Gedanken konfrontiert, dass ihre jüngeren Geschwister, die Nabelschnur noch halb am Bauch hängend, nun auch zum Konsumvolk gezählt werden, und das nicht auf einem zumindest babynahen Markt der Aufstoß-Deckchen und Milchlätzchen, sondern – deutsche Kinder sind eben doch Genies – auf dem Zeitschriftenmarkt.

So erscheint am 20. April PIPPO in den Kioskregalen, das erste Magazin für Ein- bis Dreijährige. Einmal im Monat kann sich die heranwachsende Literaturelite hier ihren altersspezifischen Themen widmen: Affen und Syntax. Das verspricht jedenfalls die Homepage der neuen Pampershelden den besorgten Eltern, die hier vielleicht eine Überladung ihrer kleinen Genträger mit für sie unwichtigen Wissensgebieten befürchten: „In den ersten drei Lebensjahren lernt Ihr Kind sprechen und die Welt verstehen – Affe PIPPO und seine Freunde helfen ihm dabei. Die von Pädagogen entwickelte Reihe fördert Sprache, Fantasie und Kreativität. Auf 24 Seiten entdecken Kinder die Welt und lernen mit jeder Ausgabe neue Wörter und Themen kennen.“ Wunderbar. Und damit Mama und Papa nicht das Gefühl haben, für ihre gesamten nachwuchsbezogenen Monatsausgaben im Finanzwert von zwei Wochen Luxusurlaub auf den Seychellen keinerlei knuddelfaktorische Gegenleistung mehr zu bekommen, weil das undankbare Pamperspack nur noch am Wimmelbilder gucken und Affengeschichten lesen ist, gibt es im neuen Heft auch die Seite für Eltern, wie der family-infoport mit bedeutungsschwangerem Formulierungsgeist zu berichten weiß: „Jedes Heft widmet sich einem wichtigen Thema, das Eltern und Kinder beschäftigt. Zum Beispiel behandelt PIPPO in einer Ausgabe den selbstständigen Gang zur Toilette.“

Bei solchen alltäglichen Pflichtthemen kann zweifellos jeder von jedem lernen. Und falls nicht, bietet der Verlag schon das Aufbaumagazin für Post-Pippos ab drei Jahren an. Sinngebender Titel: „Hoppla“.

http://www.pippo-magazin.de/pageflip/pippo_online_durchblaettern.html

http://www.familie-infoport.de/details.php/50564

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