Archiv für die Kategorie 'Allgemein'

Die Hummel lyrisch besehen

Paula 05.06.2008

Ihr schönen feuchten Wollhummeln

Tut fleißig essen
Unermuedlich stopft ihr euch voll
Ihr Saeue
Ihr seid das Inbild der wolligen faulen Wonne
Den halben Tag liegt ihr ruelpsend im Gras
Laßt dem Menschen nichts uebrig
Er verhungert unter eurem Gelaechter

Hummeln 

Wie schon der Name sagt

Michaela Eichwald

Christoph Buchwald und Ulf Stolterfoht (Hrsg.): Jahrbuch der Lyrik 2008. S. Fischer Verlag, 2008; 176 S., 18,- €. Veröffentlicht auf ZEIT Online (Zugriff am 5. Juni 2008)

Der Literaturteil von ZEIT Online widmete sich heute der Dekadenz meines Innenlebens. Damit verpassten die Redakteure zwar knapp das eigentliche Jubiläum meines 27. Geburtstages, welches sich als lyrische Würdigung meines bisherigen Lebenswerkes angeboten hätte, doch wird die Schelligkeit des WWW ja ohnehin überschätzt. Ich freue mich also über die zweifellos verdiente Aufnahme dieses reimlosen Metaphernfeuerwerks in die digitalen Veröffentlichungsambitionen der Tageszeitung und darf mit Stolz verkünden, dass ich an dem dort beschriebenen Tagwerk anknüpfen und es intensivieren möchte. 

Da ich seit nunmehr drei Tagen Gebühren für mein Sparkonto bezahlen, aufs Kindergeld verzichten und die Vorzüge der privaten Mitversicherung bei meiner Mutter missen muss, öffnet sich die Wabe der Zeit eindeutig in Richtung verschärfter Adultisierung. Hatte ich bisher noch Angst davor, schmilzt mir die gute Michaela das Wachs von den Augen: Fressen, Saufen, Rülpsen - dahin geht der Flug! Endlich hat die Hummel die Legitimation dazu, dauerhappy zu sein. Ich werde die Fertigkeiten sofort zu perfektionieren versuchen. Schließlich startet am Samstag die Europameisterschaft.

Karma nichts machen

Paula 01.06.2008

Jetzt ist endlich Schluß mit diesem ramdösigen Geplänkel darüber, Geld sei nicht so viel wert, wie man meinen könnte. Eine Randexistenz in wissenschaftlichen Abhandlungen zur  deutschen Inflationsrate der 1920er Jahre mag man dieser Aussage noch zubilligen; ansonsten jedoch ist Geld gar nicht hoch genug einzuschätzen: Es macht nicht nur Wohnungen größer und Mimikfalten kleiner, es macht die Welt vor allem ein gutes Stück einfacher.  Wie anders ist es zu erklären, dass die schwerreiche Sharon Stone fern aller Plattentektonik und Seismologie eine ganz einfache Erklärung für das verheerende Erdbeben in China gefunden hat: „I’ve been concerned about how should we deal with the Olympics, because they are not being nice to the Dalai Lama, who is a good friend of mine. And then all this earthquake and all this stuff happened, and I thought, is that karma - when you’re not nice that the bad things happen to you?” (http://film.guardian.co.uk/news/story/0,,2282466,00.html)

Das mit dem Karma hat natürlich einiges für sich. Schon 1997 bewahrte uns schließlich nur unsere political correctness davor, ein millionenfaches „Tja!“ nach Sachsen zu schicken, wo man sich während des Oderhochwassers, auf durchgeweichten Pappkartons sitzend, mal gehörig Gedanken darüber machen konnte, wie man sich als Parade-Ossi so karmatös verhalten hatte, seit der subventionierten Wiedervereinigung. Oder der zweite Weltkrieg. Da sollen sich doch die anderen Länder erstmal an die eigene Nase fassen, womit sie eine solche Katastrophe selbst heraufbeschworen haben! Wie man es in den deutschen Wald hineinruft, so schallt es aus dem Nirwana zurück, eine ganz einfache Rechnung. Hätte man nach 1918 eigentlich wissen können. Und warum Wolfgang Schäuble oder Stephen Hawking durchs Leben rollen statt laufen, mag man sich gar nicht ausmalen. Wahrscheinlich haben die es auch faustdick hinter den Ohren.

Ja, wenn man nicht nett ist, passieren böse Dinge, da hat die zweifache Preisträgerin der Goldenen Himbeere schon recht. Vielleicht hätte sie das der hiesigen Bevölkerung mal früher stecken sollen. Dann wären wir alle netter gewesen. Und hätten nicht die No Angels zum Grand Prix schicken müssen. Mist.

 

ES kommt!

Paula 07.06.2007

Das ES regiert Deutschland. Das scheint an sich noch kein Skandal zu sein, schließlich ist nach Jahren des Solidaritätszuschlags und des symbolträchtigen Abschlagens konservativ-verstaubter Holzkreuze in bayerischen Schulräumen die IT-Branche auch in Ost- und Süddeutschland kein Fremdwort mehr - was allgemein als Erfolg bewertet wird. Aber auf eine viel dunklere, bedrohlichere Seite des ES wird man dieser Tage wieder bei einem Blick in die Nachrichten aufmerksam gemacht, wenn über den G8-Gipfel in - von wegen Nomen est Omen - Heiligendamm berichtet wird. Wer glaubte, mit den höchstens selbstbeglückenden pseudosex- und humoristischen Eskapaden der morgendlichen Moderatorenmannschaft auf “Antenne West” (”Wusstest du, dass der G8-Gipfel gar nichts mit dem G-Punkt zu tun hat, Anja?!?”) sei der gruseligste Punkt der Ereignisse rund um das internationale Händeschütteln erreicht, wurde beim heutigen Blick in die nachmittägliche “Tagesschau” eines Besseren belehrt. Auf die Frage, warum die Demonstranten bis kurz vor den Sicherheitszaun hätten kommen können, ohne dass die Polizei eingegriffen habe, erklärt der eifrige Vor-Ort-Moderator der gespielt-verdutzten Moderatorin, es sei für die Einsatzkräfte schwierig gewesen zu entscheiden, welcher der Protestierenden nur friedlich demonstrieren wolle und welcher wirklich gefährlich sei. Denn, wie er mit großer Ernsthaftigkeit und unterlegt mit entsprechendem Bildmaterial von rotgelockten Schminkgesichtern beschrieb: “Teilweise laufen hier Clowns herum, von denen man nicht weiß, ob sie Waffen unter ihren Kleidern tragen.”

Aha. Vorbei also die Zeiten, als Clowns noch unter Gullydeckeln saßen und kleine Kinder mit der Hoffnung auf Aushebelung der Naturgesetze (”BEEP BEEP Richie! They ALL float down here. When you’re down here with us, you’ll float too! “) in den Abgrund locken wollten. Heute sind sie mitten unter uns. Nicht in (zurecht) abgeriegelten Paralleluniversen wie Zirkusarenen oder Musikvideos, sondern mit einer Horde Gleichgesinnter auf freiem Feld. Dass dabei - realistisch betrachtet - viel weniger der Zweifel über die Bewaffnung sich selbst in ihrer Rolle ernstnehmender Erwachsener mit roten Nasen bedrohlich ist, als das Wissen um ihre bloße Existenz sei dabei nur am Rande erwähnt.

Viel wichtiger ist an dieser Stelle die Vorbildwirkung dieser Aussage den neu errichteten Blog von happy hummel - ein Tier, das zugegebenermaßen von seiner selbstgewählten Namensgebung nicht gerade die Bruno-Gedenkmedaille für besonders gefahrbehaftete Problemtiere verdient zu haben scheint. Vor voreiligen Vorurteilen sei an dieser Stelle geahnt - schließlich sind dreifache V-Alliterationen eine der geringsten Waffen, die sie in den folgenden Verbalattacken einzusetzen gedenkt. Geplant ist vielmehr, den gesalzenen Stachel in die Wunden des Landes zu legen, kompromisslos-engagierte Kommentare zu den Kuriositäten und Alltagsabsurditäten dieser Welt zu schreiben, um damit einen Beitrag zur Lösung des Globalisierungsproblems im Allgemeinen und des Clownproblems im Besonderen zu leisten. Von possierlichem Ringelreigen kann also keine Rede sein - das Leben ist schließlich kein Honigschlecken. Oder - um noch einmal unseren unterirdischen Freund Pennywise zu Wort kommen zu lassen: “Let go. Be afraid. You all taste so much better when you’re afraid.”

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